Liebe Freunde der Neuburgmusik,

am Sonntag vormittags gibt’s eine Wanderung durch Neuburg: drei Stationen werden wir erkunden: den Schrannenplatz, die Schlosskapelle und das Rathaus. Also, eine Schranne kann mehreres sein. Da ist erstmal die Bedeutung als Speichergebäude, das war es nicht alleine, als Schranne hat man auch den ganzen Marktplatz bezeichnet, das war unser Platz auch seit fast dreihundert Jahren: der Kornhandel wurde hier abgewickelt. Mitte des 20. Jahrhunderts hat man ein Kino aus dem Schrannenhaus gemacht und später, in den Achtzigern, wieder eine Markthalle, sehr vernünftig. Solche Schrannenhallen gibt es auch unter anderem in München, Augsburg, Dinkelsbühl, Erding und Rothenburg. Die Schranne war aber auch – besonders in Österreich – ein Gerichtsplatz oder Gerichtsgebäude so circa 1400 bis 1780. Solche kann man heute noch in Wien sehen, oder in Salzburg und Anif, aber auch zum Beispiel in Garmisch-Partenkirchen. Außerdem gibt es noch einen Berg, der so heißt, und zwar in Österreich an der früheren Grenze zu Bayern und war, wie uns der Name lehrt, ein Grenzplatz für Warenverkauf, das aber nur am Rande, der Berg ist 727 m hoch, aber das gehört doch wirklich nicht hierher, verzeihen Sie mir.

Die nächste Station unseres Spaziergangs durch Neuburg ist die Schlosskapelle, der älteste protestantische Sakralbau der Welt! 1542 wurde das Land evangelisch und Hans Bocksberger d. Ä. hat die Kapelle 1543 mit grandiosen Fresken versehen, die halbe Bibelgeschichte ist da aufgemalt. Dieses Kunstwerk wurde natürlich im Zuge der Gegenreformation schändlich überpinselt, nein fast zerstört! also nicht nur Köpfe rollten in der Zeit, auch Kunstwerke mussten weichen. Man hat später – viel später, also erst im 20. Jahrhundert – die Fresken wieder restauriert, ein Glück für uns und für die Neuburger im besonderen.

Als nächstes wandern wir zum Rathaus, also gleich um die Ecke, keine Sorge, Sie benötigen keine Wanderausrüstung,
das ist die dritte und letzte Staion des Rundgangs, der in den kompetenten Händen von Gabriele Kaps liegen wird, lassen Sie sich führen, Sie werden begeistert sein, aber das ist ja nicht alles, hier folgt das Eigentliche:

An jedem der drei Orte wird der vorzügliche Perkussionist Johannes Fischer für uns spielen: Werke von Iannis Xenakis, Steve Reich, den Altmeistern, außerdem ein Werk für drei Bumentöpfe von Eric Griswold und am Ende Steppenwolf, das ist nicht nur ein Buch von Hermann Hesse, sonder auch eine Hard Rock Band, und die wird hier wohl gemeint sein; der Komponist David Lang hat für Kuhglocken, Holzplatten, Glockenspiel und Metallteile eine Adaption gemacht. Das ist zwar noch nicht alles, was Johannes Fischer spielen wird, es reicht aber, um unbedingt diese Wanderung mitzumachen, also: Treffpunkt Sonntag 11. März 11 Uhr Schrannenhalle in Neuburg an der Donau!

Ich werde sicher da sein, ich freue mich auf Sie,
Bernhard Jestl.