Lieber Freunde, hier folgt die Beschreibung des dritten Tages unseres Festivals. Gestern habe ich Sie ermuntert, zu den drei Konzerten zu gehen, ich war da. Also da wären zuerst zu nennen das Promenadenkonzert von der Schrannenhalle über die Schlosskapelle zum Rathausflez, und an jedem Ort hat Johannes Fischer eindrucksvolle Performances geboten. Am ersten Treffpunkt nur Trommeln und Vibraphon, am zweiten vor allem verschiedene Metallinstrumente und am dritten Ort Kuhglocken, Benzinkanister und eine kleine Trommel, welche nur ganz ganz selten wie eine solche geklungen hat, so variabel sind die Spielmöglichkeiten: von der Schuhbürste bis zum Rasierer hat der Spieler in seiner eigenen Komposition „AIR“ die mannigfaltigsten Anschlagmittel gebraucht. Johannes Fischer: ein profunder Kenner seiner Imstrumente und auf jedem gleichermaßen perfekt. Also diese rebonds von Xenakis – ich weiß ja nicht, ob ich diesen Klassiker der Schlagzeugliteratur je so eindrucksvoll gehört habe wie in der Schranne zu Neuburg an der Donau. Ganz introvertiert dagegen Fischers Auftritt in der Schlosskapelle: bei minus null Grad am Boden sitzend hat er das Gebäude zum Klingen gebracht, mächtige Klänge mit einer riesige Tempeltrommel zum Beispiel – einmal angeschlagen, klingt eine Minute – und ganz zart und leise Eric Griswolds Kompositioen „Switch“ gespielt auf drei Blumentöpfen: ein Paradebeispiel für polyrhythmische Kompliziertheit, drei gegen vier, oder fünf gegen drei oder auch nur zwei gegen drei, und am Ende klingt es ganz einfach.

Das Familienkonzert von Double Drums war flott, variabel, detailreich, laut, leise, lehrreich ohne didaktisch zu sein, unterhaltsam: für die Familie und für die Kinder zum Mitklatschen, um was zu lernen. Eine Reise mal wieder durch die Kulturen, durch die Wüsten unserer Welt; die Bühne voll Schlagzeug vom Marimbaphon bis zur Bohrmaschine und zum Eimer, ja, auch das sind Schlaginstrumente, und die beiden Künstler können sie alle spielen. Die Kinder dankten es ihnen mit donnerndem Applaus und guter Stimmung: Zugabe auf zwei Trittleitern.

Der zweite Oktettabend brachte die Rückkehr in heimische Gefilde, oder was ein jeder für heimisch hält, Mayrhofer oder Schubert? Man weiß es nicht so genau. Mayrhofer: ein Werk, das den symphonischen Charakter einer solchen Oktettbesetzung herausstreicht. Bruckner und Mahler und Schubert stecken drin, jener in den Klangballungen, die sich nach einiger Zeit der Entwicklung ergeben, und gleich wieder von neuem ansetzen, dieser durch Naturlaute und durch schlichte Zitate. Dazwischen insektoides Entstehen der Natur, Aufbrausen von Welt und Kreatur. Schubert muss ich nicht kommentieren, war aber zweifellos der Höhepunkt der Oktettkonzerte, jetzt übrigens mit Mika Hakhnazaryan am Cello und Rüdiger Lotter an der ersten Geige. Acht Experten haben für ein wirklich furioses Finale gesorgt, vielen Dank!

Résumé: Die Verantwortlichen haben ganze Arbeit geleistet, hochkarätige Künstler nach Neuburg zu holen, wir können nur hoffen, dass das fortgesetzt wird – unbedingt! muss das fortgesetzt werden – liebe Geldgeber, Stadträte und Sponsoren! Zögern Sie nicht, das nächste Mal genauso spendabel in die Taschen zu greifen, spendabler als diesmal sogar, die Neuburger haben es verdient, ein solch außergewöhnliches Musikfestival auf dem Kalender zu haben, ich werde dann auch wieder darüber schreiben.

Darauf freut sich schon jetzt
Ihr Bernhard Jestl